Kleinunternehmerregelung - Umsatzsteuerbefreiung bis 55.000 € brutto

Stand: Oktober 2026 | Primärquelle: § 6 Abs. 1 Z 27 UStG 1994 – ris.gv.at

Die Kleinunternehmerregelung ist eine umsatzsteuerliche Ausnahme im österreichischen Recht (UStG), die es Kleinunternehmer:innen und Einzelunternehmen mit begrenztem Jahresumsatz ermöglicht, keine Umsatzsteuer zu verrechnen, keine Voranmeldung einreichen zu müssen und in der einfachen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu bleiben. Sie dient der Verwaltungsvereinfachung und richtet sich an selbstständige Gründer:innen, Freiberufler:innen, sowie Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

Vorsicht: Kleinunternehmer:innen müssen keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Auch eine Umsatzsteuerjahreserklärung ist grundsätzlich nicht nötig (§ 21 Abs. 6 UStG). Sie wird erst dann Pflicht, wenn im Jahr doch Umsatzsteuer zu zahlen war, z. B. wegen versehentlich ausgewiesener Steuer oder Reverse Charge.

Vorsicht: Kleinunternehmer:innen müssen keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Auch eine Umsatzsteuerjahreserklärung ist grundsätzlich nicht nötig (§ 21 Abs. 6 UStG). Sie wird erst dann Pflicht, wenn im Jahr doch Umsatzsteuer zu zahlen war, z. B. wegen versehentlich ausgewiesener Steuer oder Reverse Charge.

Gesetzliche Grundlage & Umsatzgrenzen

Seit 1. Jänner 2025 sind Umsätze steuerfrei, wenn der Jahresumsatz 55.000 € brutto nicht überschreitet, und zwar weder im laufenden noch im vorangegangenen Kalenderjahr. Bis 2024 lag die Grenze bei 35.000 € netto.

Wichtig: Die 55.000 € sind eine Bruttogrenze. Anders als früher wird keine fiktive Umsatzsteuer herausgerechnet.

Neu ist auch die Toleranzregel: Wird die Grenze um höchstens 10 % überschritten (also bis 60.500 €), dürfen Sie bis Jahresende weiter ohne Umsatzsteuer fakturieren. Erst ab dem Folgejahr gilt dann die Steuerpflicht. Liegt der Umsatz über 60.500 €, sind ab dem Umsatz, mit dem die Grenze überschritten wird, alle weiteren Umsätze steuerpflichtig. Die bis dahin erzielten Umsätze bleiben steuerfrei. Eine rückwirkende Besteuerung für das ganze Jahr gibt es seit 2025 nicht mehr.

Beispielrechnung (präzise & praxisnah)

  • Beratungsleistung: 51.000 € 
  • Verkauf gebrauchter Bürogeräte (Hilfsgeschäft): 3.000 €

Der maßgebliche Umsatz beträgt hier 51.000 €. Der Verkauf der gebrauchten Bürogeräte ist ein Hilfsgeschäft und zählt nicht zur Umsatzgrenze. Die Grenze von 55.000 € ist damit nicht überschritten, die Kleinunternehmerregelung bleibt anwendbar.

Nicht in die Umsatzgrenze einzubeziehen sind insbesondere Hilfsgeschäfte (z. B. Verkauf von Anlagegütern), Geschäftsveräußerungen sowie bestimmte steuerfreie Umsätze.

Die Umsatzgrenze gilt ausschließlich für die Umsatzsteuer. Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge sind davon nicht betroffen.

kleinunternehmerregelung

Die Umsatzgrenze gilt ausschließlich für die Umsatzsteuer. Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge sind davon nicht betroffen.

Wer kann die Kleinunternehmerregelung nutzen?

Die Regelung steht allen Unternehmer:innen offen, die ihr Unternehmen in Österreich betreiben. Das gilt für Einzelunternehmer:innen, Freiberufler:innen, Personengesellschaften und auch juristische Personen wie GmbHs. In der Praxis ist das bei GmbHs aber selten. Voraussetzungen sind:

  1. Der Jahresumsatz beträgt höchstens 55.000 € brutto, sowohl im laufenden als auch im vorangegangenen Kalenderjahr.
  2. Das Unternehmen wird im Inland oder in einem anderen EU-Mitgliedstaat betrieben. Unternehmer:innen aus Drittstaaten sind ausgeschlossen.


Seit 2025 können auch Unternehmer:innen aus anderen EU-Staaten die österreichische Befreiung nutzen. Voraussetzung ist ein EU-weiter Jahresumsatz von höchstens 100.000 € und eine vorherige Registrierung im Heimatland.

Umsätze und Berechnungsgrundlage

Für die Umsatzgrenze zählt der Gesamtumsatz eines Jahres. Üben Sie mehrere unternehmerische Tätigkeiten aus (z. B. Gewerbebetrieb und Vermietung), werden die Umsätze zusammengerechnet.

Nicht eingerechnet werden:

  • Umsätze aus Hilfsgeschäften (z. B. Verkauf gebrauchter Anlagegüter) und Geschäftsveräußerungen
  • Einfuhren und innergemeinschaftliche Erwerbe
  • Umsätze, bei denen die Steuerschuld auf Sie als Kleinunternehmer:in übergeht (Reverse Charge)
  • bestimmte steuerfreie Umsätze, z. B. von Versicherungsvertreter:innen, Privatschulen oder Gesundheitsberufen

Wirkungen der Steuerbefreiung & Vorsteuerabzug

Die Steuerbefreiung betrifft ausschließlich die Umsatzsteuer. Kleinunternehmer:innen müssen keine Voranmeldung abgeben, keine Umsatzsteuer verrechnen und haben auch kein Recht auf Vorsteuerabzug – ein wesentlicher Nachteil für Unternehmen mit laufenden Einkaufsumsätzen.

Wichtige Info: Kleinunternehmer:innen können keinen Vorsteuerabzug geltend machen, selbst wenn sie betriebliche Leistungen mit Umsatzsteuer bezahlen.

Wichtige Info: Kleinunternehmer:innen können keinen Vorsteuerabzug geltend machen, selbst wenn sie betriebliche Leistungen mit Umsatzsteuer bezahlen.

Rechnungslegung

Kleinunternehmer:innen dürfen keine Umsatzsteuer in Rechnungen ausweisen. Stattdessen sollte ein Hinweis auf die Steuerbefreiung angeführt werden, zum Beispiel:

„Umsatzsteuerfrei aufgrund der Kleinunternehmerregelung gemäß § 6 Abs. 1 Z 27 UStG.“

Neu seit 2025: Kleinunternehmer:innen dürfen ihre Rechnungen unabhängig vom Betrag nach den vereinfachten Regeln der Kleinbetragsrechnung ausstellen. Eine UID-Nummer muss auf der Rechnung nicht angeführt werden. Fällt die Befreiung wegen Überschreitens der Umsatzgrenze weg, ist die vereinfachte Rechnung nur noch bis 400 € zulässig.

Wird die Umsatzsteuer versehentlich ausgewiesen, schulden Sie diese Steuer kraft Rechnungslegung (§ 11 Abs. 12 UStG). Sie müssen sie an das Finanzamt abführen, auch wenn der Kunde sie nicht bezahlt, solange die Rechnung nicht berichtigt wird.

Überschreiten der Umsatzgrenze – steuerliche Folgen

Seit 2025 gilt beim Überschreiten der Grenze von 55.000 € brutto:

  • Überschreitung bis 10 % (bis 60.500 €): Sie bleiben bis Jahresende befreit. Ab dem Folgejahr sind Sie steuerpflichtig.
  • Überschreitung um mehr als 10 %: Der Umsatz, mit dem 60.500 € überschritten werden, und alle weiteren Umsätze sind sofort steuerpflichtig. Das umfasst Steuerausweis, Vorsteuerabzug und Umsatzsteuervoranmeldung. Frühere Umsätze des Jahres bleiben steuerfrei.


Beispiel:
Am 1.11. betragen Ihre Umsätze 52.000 €. Am 5.11. erzielen Sie weitere 8.000 €. Der Gesamtumsatz von 60.000 € liegt innerhalb der Toleranz, die Rechnung kann noch ohne Umsatzsteuer ausgestellt werden. Steigt der Umsatz über 60.500 €, sind ab diesem Zeitpunkt alle Rechnungen umsatzsteuerpflichtig.

Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

Ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung ist möglich. Er muss schriftlich gegenüber dem Finanzamt erklärt werden (Formular U12). Der Verzicht ist für mindestens fünf Kalenderjahre bindend und verpflichtet zur regulären Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug. Nach Ablauf der Bindungsfrist kann er widerrufen werden. Der Widerruf muss bis Ende Jänner des Jahres erklärt werden, ab dem er gelten soll.

Aufzeichnungspflichten & Buchführung

Kleinunternehmer:innen sind verpflichtet, ihre Einnahmen und Ausgaben ordnungsgemäß aufzuzeichnen. Eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung genügt in den meisten Fällen. Eine doppelte Buchführung ist nur erforderlich, wenn dies z. B. im Unternehmensgesetzbuch oder bei bestimmten Rechtsformen vorgeschrieben ist.

Fazit

Die Kleinunternehmerregelung nach § 6 Abs. 1 Z 27 UStG ist eine zentrale Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmen mit höchstens 55.000 € Bruttoumsatz pro Jahr. Sie erleichtert die Rechnungslegung, reduziert den Verwaltungsaufwand und kommt in der Regel ohne Umsatzsteuervoranmeldung und Jahreserklärung aus. Seit 2025 sorgt die 10-%-Toleranzregel für mehr Planungssicherheit, weil eine rückwirkende Besteuerung entfällt. Der fehlende Vorsteuerabzug bleibt der wichtigste Nachteil. Ein freiwilliger Verzicht ist möglich, bindet aber fünf Jahre.

Häufige Fragen zur Kleinunternehmerregelung (Österreich)

Muss ich die Kleinunternehmerregelung beantragen?

Nein. Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, gilt die Steuerbefreiung automatisch. Sie müssen sie nicht extra beantragen. Auf Ihren Rechnungen sollten Sie aber auf die Steuerbefreiung hinweisen.

Das hängt davon ab, wie weit Sie darüber liegen:

  • Bis 60.500 € (10 % Toleranz): Sie bleiben im laufenden Jahr befreit und werden erst ab dem Folgejahr steuerpflichtig.
  • Über 60.500 €: Ab dem Umsatz, mit dem Sie die Toleranzgrenze überschreiten, müssen Sie Umsatzsteuer verrechnen, USt-Voranmeldungen abgeben und dürfen Vorsteuer abziehen. Ihre bisherigen Umsätze des Jahres bleiben steuerfrei.

Alle Unternehmer:innen mit Unternehmen in Österreich oder einem anderen EU-Staat, deren Jahresumsatz 55.000 € brutto im laufenden und im vorangegangenen Jahr nicht übersteigt. Das gilt unabhängig von Rechtsform oder Branche.

Ja. Sie können zur Regelbesteuerung optieren. Der Verzicht muss schriftlich dem Finanzamt erklärt werden (Formular U12) und ist für mindestens fünf Jahre bindend.

Ja, auch eine GmbH kann Kleinunternehmerin im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sein. Entscheidend ist ausschließlich der Umsatz. In der Praxis ist das aber selten, weil GmbHs meist höhere Umsätze erzielen.

Nein. Solange Sie unter die Kleinunternehmerregelung fallen, dürfen Sie keine Vorsteuer aus betrieblichen Einkäufen abziehen. Erst mit dem Wechsel zur Regelbesteuerung sind Sie dazu berechtigt, freiwillig oder nach Überschreiten der Grenze.

Solange Ihr Jahresumsatz 55.000 € brutto nicht übersteigt, können Sie die Regelung unbegrenzt anwenden. Es gibt keine zeitliche Begrenzung.

Grundsätzlich nein. Eine Jahreserklärung ist nur nötig, wenn im Jahr Umsatzsteuer zu zahlen war, etwa wegen Reverse Charge oder versehentlich ausgewiesener Steuer.